Berlin im Kaiserreich

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges und dem Sieg Preußens und seiner süddeutschen Verbündeten konnte Otto von Bismarck, Kanzler des Norddeutschen Bundes sein politisches Ziel einer kleindeutschen Lösung unter preußischer Führung erreichen. Die süddeutschen Staaten traten (ohne Österreich) dem Norddeutschen Bund bei. Es entstand 1871 das Deutsche Reich. Im Spiegelsaal von Versailles wurde Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser gekrönt, Bismarck wurde Reichskanzler und die preußische Hauptstadt Berlin wurde zur Hauptstadt des jungen Reichs.

Dieses Berlin an der Spree war mittlerweile durch die Industrielle Revolution zu einer Großstadt mit fast einer Million Einwohnern angewachsen. Schon lange war die Infrastruktur diesem Wachstum nicht hinterher gekommen. Große Investitionen waren nötig. Von 1873 bis 1893 wurde Berlin daher mit einer Kanalisation ausgestattet. Der Besitz und die Verwaltung der innerstädtischen Straßen und Brücken ging vom preußischen Staat auf die Stadt über.

Die Stadtentwicklung war in Berlin stets ein strittiges Thema. Das schnelle Wachstum mit ausgedehnten Mietskasernen für Arbeiter um die Innenstadt herum einerseits, und ebenso ausgedehnte Villenviertel anderseits im Westen und Südwesten der Stadt, brachten Berlin das Image einer modernen Retortenstadt ein – Wien dagegen galt als traditionsreicher und kulturbewußter.
Doch der Ausbau zur Metropole ging in Berlin weiter: 1884 begann der Bau des Reichstags, den man zehn Jahre später am 5. Dezember 1894 fertigstellte.

1896 war der innerstädtische Verkehr bereits auf immense Dimensionen angewachsen. Zur Bewältigung begann man mit dem Bau der U-Bahn, die Vorortbahnstrecken waren in den Jahren zuvor bereits kontinuierlich erweitert worden. Viele von Berlin ausgehende Eisenbahnstrecken hatten eigene Gleise für den Vorortverkehr erhalten. Die erste elektrische U-Bahnlinie konnte dann 1902 eröffnet werden. Der als Hochbahn errichtete Abschnitt zwischen dem Stralauer Tor und dem Zoologischen Garten ging als erster in Betrieb. Der Ausbau der Vorortstrecken zur ebenfalls elektrischen S-Bahn erfolgte erst nach dem Ersten Weltkrieg.

Dafür erreichte 1909 ein anderes modernes Verkehrsmittel Berlin. In Johannisthal eröffnete der erste Motorflugplatz in Deutschland.
Politisch war der Berliner Raum bis hierhin immer noch zersplittert. Neben Alt-Berlin gab es nachwievor selbstständige Städte wie Spandau, Charlottenberg, Schöneberg und Neukölln. Zur Koordinierung von Infrastrukturmaßnahmen gründete man jedoch 1911 der Zweckverband Groß-Berlin. Nach dem Weltkrieg war der Weg frei für die Gründung der Stadtgemeinde Groß-Berlin mit 4 Millionen Einwohnern und der 13-fachen Fläche des alten Berlin.

Der Erste Weltkrieg selbst führte in Berlin zu einer Hungersnot. Im Winter 1916/17 hungerten 150.000 Menschen und Streiks brachen aus. Als im Jahr 1918 der Krieg mit einer Niederlage von Deutschland endete, musste Kaiser Wilhelm II. abdanken, die Monarchie ging zu Ende. Der Kommunist Karl Liebknecht und den SPD-Politiker Philipp Scheidemann riefen unabhängig voneinander nach der Novemberrevolution in Berlin die Republik aus. Die darauf folgenden Monaten waren politisch turbulent. Es fanden Straßenkämpfe zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen statt. Deutschland wurde damit schlussendlich zur parlamentarisch-demokratischen Republik.

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